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FAUST II, 1. Akt

12. Klasse Halle



Halle -Gruppenbild


Wenn Rittergut auf Waldorf trifft…

HalleEin Schriftsteller sprach mal von Hallensern, Halloren und Hallunken, was zur heutigen Kategorisierung der Einwohner von Halle an der Saale geführt hat. Dabei sind Hallenser, die in Halle Geborenen, Halloren alteingesessene Hallenser und Hallunken alle Zugezogenen. Unsere Waldorfschule, auf einem alten Rittergut gelegen, bietet Platz für jeden der drei Kategorien. Idyllisch an der Aue der weißen Elster gelegen, treffen wir täglich auf ein prachtvolles Arbeitsumfeld. Geschichtsträchtige Steinwege, geziert von hohen alten Bäumen, führen den Schüler auf das Schulgelände. Eine Augenweide für jeden, der die grünen Wiesen auf dem Gelände erblickt, zwischendrin begleitet von einem hunderte Jahre alten Kornspeicher und natürlich die massive Scheune, welche uns Jahr für Jahr zu Festen, Theateraufführungen oder Monatsfeiern als Schauplatz mit Bühne dient. Nicht umsonst befindet sich unsere Schule in der Gutsstraße. Der Geist einer langen und spannenden Ritterguts-Geschichte gibt der Schule die Seele und die einladende Atmosphäre. Wer staatliche Einrichtungen gewohnt ist, kommt hier zunächst ins Wundern. Und doch schaffen wir es Jahr für Jahr, mehr Schüler für unsere Schule zu begeistern. Und so komplettierten über die letzten 11 Jahre mehrere Charaktere und Individuen unsere 12. Klasse. Bis heute. Und mit 16 tatkräftigen Jungen und Mädchen wollen wir nun in das letzte gemeinsame Schuljahr gehen. Wir haben schon so mancher Hürde getrotzt. Egal, ob es ein Forstpraktikum-, Landwirtschaftspraktikum-, oder ein Sozialpraktikum war. Auch das in unserer Schule übliche 6. Klasse Stück „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart brachten wir stolz auf die Bühne. Mit Engagement und Willen meisterten wir also manch schwere Aufgabe. Unter anderem standen wir 2011 als Pioniere unserer Schule vor einem Russland-Austausch. Und in einer spannenden, lehrreichen und wundervollen Zeit lernten wir so in drei Wochen Russlands faszinierendste Seiten kennen. Kultur, Mentalität, Sprache und nicht zuletzt die liebevollen Menschen. Natürlich war es dann auch unsere Aufgabe, unseren russischen Freunden Halle zu zeigen. Es war eine tolle Zeit, an der jeder einzelne aus unserer Klasse gewachsen ist. So freuen wir uns natürlich jetzt auch auf unser nächstes Großprojekt. Das Faust-Festival in München Ismaning.

Eine Euphorie Welle ging durch unsere Schule als wir erfuhren, dass wir in München-Ismaning dabei sein dürfen und als einzige Ost-Waldorfschule bei diesem Festival sogar eine Exotenstellung genießen können. Und ganz nach Sachsen-Anhalts Willkommensgruß „Land der Frühaufsteher“ machten wir uns natürlich noch in den Sommerferien Gedanken und Pläne zur Bewältigung des Projektes. Wir engagierten über die Schauspielgruppe „Tom Wolter und Kollegen“ unseren Künstlerischen Leiter Ralf Bockholdt. Er soll uns über Leseproben und Schauspielübungen auf die Bühne führen, so dass wir im Februar den Zuschauern einen tollen 1. Akt von Faust II präsentieren können. Mit unserer Pädagogischen Begleiterin Frau Elke Fritzsche arbeiten wir stets an den Rahmenbedingungen und suchen verstärkt nach finanzieller Unterstützung. „Türklinken putzen“ und persönliche Gespräche mit hallischen Unternehmern gehören für jeden Schüler unserer Klasse zu Pflichtaufgaben. Mit 16 Personen treten wir unter den sechs Waldorfklassen dieses Festivals natürlich als nummerisch schwächste Klasse auf. Aber das ist für uns kein Problem. Wir sind „klein aber fein“. Fast monatlich besuchen wir gemeinsam als Klasse das „Neue Theater“ unserer Stadt an der Saale, fieberten sogar schon bei toll inszenierten Puppentheaterstücken mit. Und mit unserer Nähe zu Auerbachs Keller in Leipzig haben wir natürlich auch das richtige Flair für Goethes FAUST. In vier Wochen Epochen-Unterricht behandelten wir Faust I+II Anfang des Schuljahres. Es war für jeden Schüler natürlich besonders spannend und reizvoll auf Sicht des nahenden Festivals. Die Tragödie um Gretchen, die neckischen Monologe von Mephisto und der verzweifelte Faust entfesselten Diskussionen und erste Interpretationen zu diesem Drama. Zum krönenden Abschluss der Epoche besuchten wir mit Frau Fritzsche die Goethe und Schiller – Stadt Weimar. Perfekt terminiert bot uns das Deutsche National Theater (DNT) eine Inszenierung des FAUST- der Tragödie erster Teil. Es war ein gigantisches Erlebnis. Tolle Plätze und eine eindrückliche, wenn auch nicht ganz klassische Inszenierung zeigten uns, wie toll Theater doch sein kann.

Wir haben viel gesehen, gehört, durchdacht und gelesen zu Goethes Meisterwerk FAUST. So viel, dass wir langsam kribbelig werden und es kaum erwarten können, es auf einer Bühne endlich selber inszenieren zu dürfen. Mit einer hilfsbereiten Schulgemeinschaft im Rücken und München vor der Brust schuften wir nun für unser großes Ziel und das Projekt Faust-Festival 2014.

 Nicolai Rettenmaier, für die 12. Klasse